Ein Website-Relaunch klingt nach einer Designfrage. Ist es aber nicht. Die meisten Relaunches scheitern nicht an der Technik oder am Design — sondern an Entscheidungen, die vor dem ersten Pixel hätten getroffen werden müssen. Diese Checkliste hilft dir, das zu vermeiden.
In den letzten sieben Jahren habe ich über 20 Relaunches begleitet. Was ich dabei gelernt habe: Die Projekte, die glatt laufen, haben eine Sache gemeinsam — sie wurden richtig vorbereitet. Die Projekte, die chaotisch werden, auch. Die springen ins Design, bevor die Grundlagen stehen.
Hier sind die 12 Punkte, die du vor dem ersten Briefing mit einem Webdesigner klären solltest. Wenn du sie beantworten kannst, wird dein Relaunch schneller, günstiger und besser.
1. Was ist dein konkretes Ziel?
"Wir wollen eine moderne Website" ist kein Ziel. Das ist ein Wunsch. Ein Ziel ist: "Wir wollen in den nächsten 12 Monaten 30 % mehr qualifizierte Anfragen über die Website generieren." Oder: "Wir wollen Online-Umsätze von aktuell 50.000 € auf 150.000 € im Jahr steigern."
Ohne klares Ziel wird jede Designentscheidung willkürlich. Mit klarem Ziel lässt sich jede Entscheidung daran messen.
2. Wer ist deine wichtigste Zielgruppe?
Nicht "alle, die meine Produkte brauchen könnten". Konkret: Wer ist der eine Kundentyp, der am profitabelsten, am treuesten und am leichtesten zu erreichen ist? Eine Website, die versucht, alle anzusprechen, spricht am Ende niemanden wirklich an.
Schreib einen Absatz über diesen idealen Kunden. Alter, Beruf, Problem, Sprache, wo er sich online bewegt. Das ist die Grundlage für jede Designentscheidung, jeden Text, jedes Foto.
3. Was ist dein Hauptangebot?
Wenn du zehn Leistungen anbietest, hat dein Besucher Entscheidungsparalyse. Was ist das eine Angebot, das du am besten machst? Das die höchsten Margen bringt? Das die zufriedensten Kunden produziert?
Das gehört in den Fokus der Website. Die anderen Leistungen können als Unterpunkte existieren — aber die Startseite muss ein klares Angebot kommunizieren.
4. Wer übernimmt Entscheidungen?
Ein Designer kann die beste Website der Welt bauen — wenn der Freigabeprozess bei dir 10 Personen durchläuft, wird sie am Ende ein Kompromiss werden, der niemand mehr gefällt. Entscheide vorher: Wer hat das finale Wort? Idealerweise eine Person.
Beratung einholen von mehreren ist ok. Aber am Ende muss ein Mensch entscheiden, nicht ein Komitee.
5. Was ist dein Budget wirklich?
Viele Kunden nennen ein Budget, das für das gewünschte Ergebnis zu klein ist. Dann wird am Design gespart, dann an den Fotos, dann an der Strategie — und am Ende ist das Ergebnis enttäuschend, weil es auf Halb-Niveau gebaut wurde.
Sei ehrlich mit dir selbst und mit deinem Designer. Lieber erstmal nur die Landingpage richtig machen als die ganze Website halbherzig.
6. Welche Inhalte hast du? Welche brauchst du?
Texte, Fotos, Logos, Kundenreferenzen, Zertifikate, Team-Bilder — alles, was auf der neuen Website auftauchen soll, muss irgendwo herkommen. Wenn du davon nichts hast, braucht dein Projekt zusätzlich Copywriting und Fotografie. Das kostet Zeit und Geld.
Mach eine Liste: Was habe ich schon? Was fehlt? Wer liefert es (du selbst, externer Texter, Fotograf)?
7. Was passiert mit der alten Website?
Die alte Website bleibt online, bis die neue live geht — das ist Standard. Aber wichtig: Was passiert mit den bestehenden URLs? Hat deine aktuelle Website SEO-Rankings, die du nicht verlieren willst? Dann brauchst du 301-Weiterleitungen von allen alten URLs auf die neuen.
Wer das vergisst, verliert Google-Rankings über Nacht. Das ist einer der häufigsten und teuersten Fehler bei Relaunches.
8. Welche technischen Anforderungen hast du?
- Brauchst du ein CMS zum selbst pflegen, oder übernimmt der Dienstleister Änderungen?
- Soll die Website mehrsprachig sein?
- Müssen externe Tools angebunden werden (CRM, E-Mail-Marketing, Buchungssystem)?
- Willst du einen Shop oder nur eine Info-Seite?
- Wie viele Besucher pro Monat erwartest du? (wichtig für Hosting)
Je mehr du vorher klärst, desto präziser wird das Angebot — und desto weniger Überraschungen gibt es später.
9. Wie wird die neue Website gepflegt?
Eine Website ist kein fertiges Produkt. Sie wird gehostet, bekommt Updates, braucht Backups, wird mit neuen Inhalten versorgt. Ein Relaunch ohne Plan für die laufende Betreuung ist wie ein Haus bauen ohne Plan fürs Dach.
Entscheide vorher: Machst du das selbst? Lernst du dein CMS? Oder beauftragst du einen Support-Vertrag?
10. Welche rechtlichen Anforderungen gelten für dich?
Impressum, Datenschutzerklärung, AGB, Cookie-Banner — das sind Pflichten. Je nach Branche kommen weitere dazu (z.B. Transparenzregister für bestimmte Dienstleister, Berufsordnungen für Ärzte, Anwälte).
Kläre das vor dem Launch mit einem Anwalt oder einem Datenschutzbeauftragten. Abmahnungen kosten mehrere hundert bis tausende Euro und sind ärgerlich.
11. Wie messt du den Erfolg?
Nach dem Launch willst du wissen, ob die Website wirkt. Dafür brauchst du Tracking — DSGVO-konform, mit Cookie-Banner. Gängig sind Google Analytics 4, Matomo oder datenschutzfreundlichere Alternativen wie PostHog oder Plausible.
Wichtig: Definiere vorher, was du messen willst. Reine Besucherzahlen bringen wenig. Was du wissen willst: Wie viele Kontaktformular-Einsendungen? Wie viele Terminbuchungen? Wie viele Käufe?
12. Was ist dein realistischer Zeitplan?
Ein Relaunch dauert zwischen 4 und 12 Wochen, je nach Umfang. Wer "in 2 Wochen" eine neue Website will, bekommt entweder einen Baukasten-Clone oder enttäuschende Qualität.
Plane Pufferzeit ein — für Entscheidungen, Feedback-Schleifen, Texterstellung, Fotoshootings. Der häufigste Grund, warum Projekte sich ziehen: nicht die Designer, sondern der Kunde, der auf Mails nicht antwortet oder zu lange nach Inhalten sucht.
Mach diese 12 Punkte schriftlich, bevor du das erste Angebot einholst. Schick sie dem Webdesigner mit, wenn du anfragst. Das spart 2-3 Meeting-Stunden und macht aus Pauschalangeboten ein konkretes, vergleichbares Angebot.
Fazit
Ein Relaunch ist kein Designprojekt. Er ist ein strategisches Projekt mit Design als Output. Wer das versteht und sich vorher Zeit nimmt, bekommt eine Website, die tatsächlich Kunden bringt — nicht nur besser aussieht als die alte.
Wenn du gerade vor einem Relaunch stehst und unsicher bist, ob du alles bedacht hast: Buch ein kostenloses Erstgespräch. Ich gehe diese 12 Punkte mit dir durch und sage dir ehrlich, wo du stehst und was noch zu klären ist.